Niemand weiss, was gesundes Essen genau ist - Der Kreuzzug des Starkochs
Bei der ganzen Diskussion geht leider unter, dass eigentlich niemand
_genau_ weiß, wie gesundes Essen beschaffen sein muß.
Es ist methodisch nahezu unmöglich, Studien dazu durchzuführen:
prospektive Untersuchungen (Fragestellung: welche Diät wirkt
lebensverlängernd bzw. Krankheiten vorbeugend) sind schon deshalb zum
Scheitern verurteil, weil…
1.
es kaum gelingen dürfte, genügend große Kollektive zu rekrutieren,
die ihre Kost über Jahrzehnte auf einen bestimmten Plan umstellen
2.
es nicht möglich ist, die Befolgung der Diätpläne in den Kollektiven
zu kontrollieren oder gar zu garantieren.
Retrospektive Untersuchungen stützen sich dagegen auf die
Erinnerungen der Menschen - und, naja - wie zuverlässig die sind,
könnt Ihr Euch denken. Wer weiss denn noch exakt, wie er sich vor 10
oder 20 Jahren durchschnittlich zu ernähren pflegte? Oder kann genaue
Aussagen zur Zusammensetzung seiner Nahrung machen
Sicher, es gibt die Empfehlungen der verschiedenen
Fachgesellschaften, die den Bedarf an Komponenten wie Protein,
Kohlenhydraten, Lipiden, Mineralstoffen und Vitaminen berechnet haben
- das ist wenigstens ein Anhalt.
Nur - womit wird heute geworben: mit Vitaminanreicherung (es ist
heutzutage in den Ländern der so.g ersten Welt so gut wie unmöglich,
mit einer durchschnittlichen Kost einen signifikanten Vitamin-Mangel
zu entwickeln) oder probiotischen Nahrungsmitteln, die die Darmflora
“optimieren” sollen. Gerade das ist absolut bizarr, da es so gut wie
keinerlei Erkenntnisse über die normale oder gar optimale
Zusammensetzung der Darmflora gibt - in jüngster Zeit wurden einige
Erkenntnisse über die Rolle der Darmflora bei der Entstehung von
Übergewicht publiziert - und das sind schon die Leuchtfeuer der
“Darmflora-Forschung”.
Da gibt es einfach viel zu viel verwirrende Scharlatanerie ohne
gesicherte Datenbasis (ich möchte nur an die
Geldschneider-Pilz-Eradikations-Therapien als Behandlung von
psychosomatischen Erkrankungen erinnern).
Selbst Vollkorn-Produkte haben mittlerweile ihren früheren Nimbus des
Gesunden verloren: die Spelzstoffe des Getreides dienen dazu, den
Nachwuchs - das Getreidekorn - zu schützen, indem die Verdauung so
schwer wie möglich gemacht und die Darmschleimhaut des Fressfeindes
so weit wie möglich geschädigt wird, um ihm den Appetit zu verderben
(Evolutionsbiologie _sehr_ einfach erklärt ;-)).
Wenn Euch also jemand entgegen tritt und Ratschläge zur Ernährung
gibt - fragt ihn und Euch zuerst, woher die Daten dafür stammen.
Das soll nicht heissen, dass indirekte Schlüsse und Hinweise aus
entsprechenden Studien generell unzulässig sind - nur vergesst bitte
nicht, selbst zu reflektieren und kritisch nachzufragen.
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